Monday, August 18, 2008
Gesundheits?konomische Aspekte der Anwendung von Blut- und Plasmaprodukten
Zusammenfassung Die Versorgung von Patienten mit Blutkomponenten ist auf die Spendebereitschaft der Bevölkerung und ein gut organisiertes Blutspendewesen angewiesen. Zur Gewährleistung der Blutsicherheit sind hohe finanzielle Aufwendungen erforderlich. Der vorliegende Beitrag beschreibt 2 Anwendungsgebiete von Blut- und Blutprodukten. Zunächst werden Aspekte des Einsatzes von Gerinnungsfaktorkonzentraten bei Hämophiliepatienten (ca. 3000–4000 Patienten sind regelmäßig behandlungsbedürftig) diskutiert. Die geschätzten jährlichen Ausgaben der Kostenträger für Gerinnungsfaktorkonzentrate liegen in Deutschland bei rund 450 Mio. Euro, die mittleren Kosten pro Patient und Jahr schwanken, abhängig vom Behandlungszentrum, zwischen 40.903 Euro und 117.597 Euro. Die Behandlungskosten für eine Immuntoleranztherapie (ITT) bei Patienten mit Hemmkörpern, einer schwerwiegenden Komplikation der Therapie mit Gerinnungsfaktoren, werden z. B. für Kinder je nach Therapiedauer und Schweregrad auf rund 70.300 Euro bis 3.800.000 Euro geschätzt. Im zweiten Teil des Beitrages wird der Status quo der ökonomischen Evaluation für die Anwendung zellulärer Blutprodukte skizziert, und es werden ausgewählte Ergebnisse einer deutschen Querschnittserhebung zur Anwendung von Erythrozytenkonzentraten (EK) bei elektiven orthopädischen Operationen dargestellt. Diese Hämotherapiestudie zeigte, dass die Transfusionsraten innerhalb der teilnehmenden Zentren erheblich variierten [Transfusionsraten beim Eingriff elektiver Hüftgelenksersatz (THR): 17–94%]. Dies galt ebenso für den durchschnittlichen Blutverlust bei einer THR (Median [ml] Blutverlust: Zentrum mit niedrigstem/Zentrum mit höchstem Blutverlust: 883 ml/2975 ml). Die Akzeptanz niedriger intraoperativer Hämoglobinwerte war in den Kliniken unterschiedlich hoch. Aus diesen Unterschieden im Transfusionsverhalten der einzelnen Zentren wird deutlich, dass breite Qualitätssicherungsmaßnahmen (z. B. Benchmarkanalysen) erforderlich sind, um das vorhandene Einsparpotenzial für Erythrozytenkonzentrate von bis zu 350.000 Einheiten allein bei der Indikation Hüftgelenksersatz vollständig nutzen zu können. Transparenz hinsichtlich der Versorgungsprozesse ist eine grundlegende Voraussetzung für die ökonomische Beurteilung und optimale Ressourcenallokation
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